08. April 2015 22:03
Kategorie: Andacht
Von: Stefan Hieß

100 Meter Leben


Vor einigen Monaten war ich in der Rhön, um ein paar Tage die Ruhe zu genießen.

Nun wollte ich nicht nur faulenzen, sondern auch aktiv sein, also nahm ich mein Fahrrad mit und suchte mir eine Tour.

Ich startete früh. Je höher ich kam, desto dichter wurde der Nebel. Ich konnte so ungefähr 100m weit schauen.

Als ich auf einem Feldweg war, fiel mir folgendes auf: Rechts uns links sah ich jeweils 100m weit also nichts weiter als herbstliche Feldflächen. Vor mir sah ich den Feldweg und nach 100m nur noch grau.

Besonders spannend war das nicht. Wäre ich noch nie in der Rhön gewesen, würde ich bis heute denken es sei dort sehr langweilig.

 

Jetzt streng mal deine Fantasie an und versetze dich in eine typische Innenstadt einer Stadt deiner  Wahl. Da sind 100m Umkreis eine ganze Menge.

Schaufenster, Lokale, Werbung, Cafés, viele hektische Menschen, Straßenbahnen (die einen manchmal fast umfahren), Marktstände, dann noch die Gerüche und Geräusche dazu.... Ich denke ihr habt nun ein Bild vor Augen.

In dieser Hinsicht bin ich ein typischer Mann: das kann mich dann schon mal überfordern. Das ist eigentlich mehr als ich mir antun möchte.

 

Dann kam mir der Gedanke, dass es in unserer Glaubenswelt, also in der geistlichen Ebene unseres Lebens ganz ähnlich ist.

Mit unseren menschlichen Augen und Sinnen können wir nicht sehr weit schauen, da ist irgendwann Schluss. Wir haben eben unser Leben nicht völlig im Griff. Wir können nur die 100 Meter weit schauen und dann fängt das grau an, dass wir nicht durchdringen können.

Wir sind aber sehr wohl in der Lage diese 100m Leben zu füllen und zu überfrachten: wo geht der nächste Urlaub hin? Kann ich meine nächste Miete zahlen? Wieviel Kinder wollen wir? Mein Handy Vertrag läuft bald ab! Ich hab gar keine Klamotten mehr! Schon wieder ne Schulaufgabe! Was sagen die Eltern über die 5 in der letzten? Usw. usw. da ist natürlich viel Sinnvolles und notwendiges dabei aber auch viel Nutzloses und überbewertetes.

Hier will ich gar nicht weiter schauen! Die 100m Leben sind genug. Da werde ich ja schier verrückt, wenn ich mich noch um mehr kümmern muss!

 

Zurück zum Feldweg in der Rhön: dort hatte ich eine Sehnsucht weiter schauen zu können. Die Berge und Täler um mich herum zu sehen. Ich hatte gehofft, dass sich der Nebel auflöst und die Sonne sich zeigt, wie das ja oft an Herbsttagen geschieht und ich dann in die ferne schauen kann. Auf die geistliche Ebene bezogen bedeutet das: wenn ich mein Leben nicht zu voll packe, dann habe ich auch eine Sehnsucht mehr zu sehen und zu erfahren. Eben mehr als nur das Alltägliche, sondern Gott nach dem Weg zu fragen. Was ist mein Auftrag für mein Leben? Was hat Jesus demnächst mit mir vor? Welchen Menschen kann ich eine Hilfe oder Zeugnis sein?

Ich glaube daran, dass wir mit unseren geistlichen Augen und Jesu Hilfe weiter schauen und besser sehen können.

Bete, dass Gott dir eine Sicht für dein Leben auf dem Weg der Nachfolge gibt.

An diesem Tag ist es mir leider nicht vergönnt worden, dass die Sonne herauskam, zum Glück hatte ich eine Karte dabei die mir mehr gezeigt hat als nur die 100m.

 

Stefan Hieß