23. März 2019 11:05
Kategorie: Andacht

Bei Euch


Liebe Geschwister,

in einem Buch habe ich mal folgende Geschichte gelesen: Ein junger Mann steht auf einem Hügel vor seinen Freunden. Sie haben in der letzten Zeit Unglaubliches erlebt, doch nun will der junge Mann verreisen. Seine Freunde können jedoch nicht mitkommen, sie haben etwas sehr Wichtiges zu erledigen. In wenigen Worten fasst der junge Mann zusammen, was seine Freunde tun sollen. Und dann sagt er seinen allerletzten Satz, der zugleich jenes Buch beschließt, in dem die Geschichte steht. Dieser letzte Satz ist – wie letzte Sätze das oft sind – ganz besonders wichtig. Er lautet sinngemäß so: „Wenn ihr das, was ich euch eben aufgetragen habe, erledigt, könnt ihr euch ganz sicher sein, dass ich jederzeit bei euch bin, solange bis diese Ära der Weltgeschichte zu Ende geht.“ Das ist ganz schön seltsam, was der junge Mann da sagt. Schließlich verreist er. Wie will er da jederzeit bei seinen Freunden sein, zumal bis ans Ende dieser Ära der Weltgeschichte? Und warum sagt er das überhaupt zu ihnen?
Das Buch, in dem ich diese Geschichte gelesen habe, ist Teil des Neuen Testaments. Der junge Mann ist Jesus. Seine Freunde sind die elf Jünger. Folgen wir Jesus nach, dann gelten seine Worte auch uns. Auch uns sagt er jenen letzten Satz. Dass Jesus nach allem, was passiert ist, spricht, ist kaum zu glauben. Schließlich wurde er kurze Zeit vorher von den Römern an einem Kreuz brutal hingerichtet als einer, der sich für den Messias hielt. Man hatte ihn nach seinem Tod in ein Felsengrab gelegt, das mit einem schweren Stein verschlossen war. Gott hatte ihn jedoch auferweckt und damit eine neue Ära eingeläutet – die der neuen Schöpfung –, obwohl die alte Ära noch gar nicht zu Ende war. Und jetzt ist Jesus im Begriff, von seinen Freunden wegzugehen. Er wird von nun an seine Herrschaft über Himmel und Erde zur Rechten des Vaters, der ihm die Herrschaft gegeben hat, ausüben. Genau deshalb wird er immer, jederzeit, Tag und Nacht, ohne Pause und unterbrechungsfrei bei ihnen und uns sein können. Gewiss: anders als früher – durch den Heiligen Geist –, aber doch nicht weniger nah, sondern mehr.
Dieser Satz „Ich bin bei euch“ ist eine Zusage, ein Versprechen, das Jesus ganz gewiss einhält. Er ist immer „bei uns“. Sowohl in guten Tagen, wenn wir uns freuen über all das Gute und es genießen, als auch in schlechten Zeiten, wenn wir klagen und trauern. Das soll uns trösten und ermutigen. Soviel ist klar. Doch steht diese Zusage nicht einfach nur so da. Sie wird uns ja zugesprochen, nachdem wir einen Auftrag erhalten haben, den wir alleine niemals ausführen können: Allen Menschen die frohe Botschaft von Jesus sagen und sie zu Jüngern machen! Das ist eine Mammutaufgabe, vor der wir genauso wie die ersten Jünger schnell zurückschrecken und resigniert aufgeben würden, bevor wir sie überhaupt richtig angepackt haben – wäre da nicht diese Zusage: „Ich bin bei euch! Ihr seid nicht alleine unterwegs für mich. Ich verlasse euch niemals.“ Jesus ist bei uns – er will uns mutig und stark machen, sodass wir seinen Auftrag ausführen können. Und vielleicht kann man auch sagen: Dass Jesus bei uns ist, wird für uns dann besonders deutlich spürbar, wenn wir losgehen und seinen Auftrag ausführen. Denn genau dann, wenn wir den Menschen in unserem Umfeld von jenem Mann erzählen möchten, der gestorben und auferstanden ist und über Himmel und Erde regiert, brauchen wir Mut und Kraft von dem, der bei uns sein will.

Der Friede Gottes sei mit Euch!
Euer Pastor Eduard Käfer