30. November 2014 17:54
Kategorie: Andacht
Von: Günther Buchetmann

Die Wüste und Einöde wird frohlocken


Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien. Jesaja 35,1

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde der Gemeinde

In diesem Jahr steht ein Satz aus dem Prophetenbuch des Jesaja über der Adventszeit. Es ist ein Wort, das Trost spenden will. Ein Wort der Hoffnung. Ein Spruch, der Mut macht, die Augen nach vorne, auf das Neue, zu richten. Auf das, was kommen wird.

Es ist ein Versprechen von Gott. Damals für das jüdische Volk, das im Dunkeln, im Abseits des babylonischen Exils sitzt und gerade dabei ist, die Dinge neu zu sortieren. Die Zeit in Babylon war in vielerlei Hinsicht sehr, sehr schwer. Die Gefangenen verstehen vor allem Gott nicht mehr. Wie kann er das tun? Uns, sein erwähltes Volk aus dem Land zu werfen? Das Land und der Tempel waren die Garanten, dass Gott, dass Jahwe, zu ihnen steht. Und jetzt das. Leid. Verzweiflung. Megamäßige Verwirrung. Wer kann das kapieren?

Gerade in Bezug auf das Leid wird bis heute die Frage gestellt „Wie kann Gott das zulassen?“ Jedem begegnet das: Dinge, Umstände, Erlebnisse im persönlichen Umfeld oder in den globalen, politischen Zusammenhängen, die wir nicht verstehen. Die Bibel gibt dazu nicht eine, sondern mehrere mögliche Antworten. Eine sehr wichtige Antwort transportiert das Buch Hiob: Die Antwort gibt Gott nur persönlich, für dich, für deine Situation, nicht allgemein. Wenn du dich darauf einlässt, dann kann er auch dir persönlich antworten. Vielleicht tut er es auch gerade jetzt, mit diesem Wort, das über der Adventszeit in diesem Jahr steht: Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.

„Meine geliebten Kinder, mein Sohn, meine Tochter“, sagt der Vater im Himmel auch uns heute. „Dieser Tag kommt! Es kommt die Zeit. Darauf kannst du bauen. Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln. Unaussprechliche Freude wirst du erleben“. Wie wird das sein? So, wie wenn in der Steppe nach Monaten der Trockenheit der heiß ersehnte Regen ein Blütenmeer von Lilien aus der Erde schießen lässt. Diese Zeit des Heils wird sein wie das Paradies am Anfang: Kein Töten. Kein Schmerz. Kein Tod. Auch die Tiere, die sich bis dahin gegenseitig fressen, liegen friedlich beisammen. Blinde werden sehen. Taube werden hören. Gelähmte werden springen wie ein Hirsch. Wo Tod herrscht wird Hoffnung und Lebenskraft sein. Verzweiflung gehört der Vergangenheit an. Ewiger Friede wird herrschen.

Es geht hier nicht um eine Refresh-Kur. Es werden sich nicht einfach die Lebensumstände verbessern. Die Bibel sagt: Es geht um einen grundsätzlichen Neuanfang. Eine Zeitenwende. Dazu braucht es neue Vorzeichen. Das Alte kommt zum Ende, sonst wiederholt sich der Kreislauf aus Gewalt, Unfriede und Unversöhnlichkeit in neuem Gewand. Jedoch: Vor diesem unglaublichen Umbruch steht das Gericht Gottes, seine Vergeltung (vgl. Kapitel 34). Ein unangenehmes Thema. Aber gerade in der Adventszeit, in der in unserer Kitschkultur alles auf das „Warten aufs Christkind“ ausgerichtet ist. Gerade da darf uns neu klar werden: Wir warten nicht auf das „Kind im lockigen Haar“. Wir warten darauf, dass Jesus Christus zum zweiten Mal kommt. Mit Macht und Herrlichkeit kommt, um seine Herrschaft aufzurichten. Das bedeutet, Er wird das Gute vom Bösen trennen. Unrecht wird verurteilt, nicht unter den Teppich gekehrt. Jesus ist der Retter, aber auch der Richter der Welt! Er kommt wieder, das ist versprochen, um Gericht zu halten bevor er das ewige Friedensreich aufrichtet, in dem Gerechtigkeit herrscht.

Advent ist tatsächlich die Zeit des Vorbereitens und des Wartens. Dabei sind wir allerdings aktiv, engagieren uns in dieser Zeit. Setzen uns ein für Gerechtigkeit. Sind Salz der Erde, d.h. als Jesus-Leute versuchen wir, diese Welt mit der guten Nachricht von Jesus, mit seiner Liebe zu durchdringen. Wir warten nicht so, wie die Fluggäste in der Wartehalle eines Flughafens auf den Abflug warten. Wir warten innerlich auf sein Kommen und lassen uns zugleich von Jesus in dieser Welt gebrauchen. An dem Platz, an den er uns stellt. Am Arbeitsplatz. In der Familie. In der Gemeinde. Überall lassen wir unser Licht leuchten vor den Menschen. Wir warten – nicht so sehr auf die Weihnachtsgeschenke, sondern wir warten auf die Ankunft (Advent) unseres Erlösers. Er bringt viel mehr als ein paar Spielzeugautos und Pralinen. Er bringt Schalom, ewigen Frieden. Er bringt alle Geschenke, die in der Bibel „das Erbe des Vaters“ genannt werden. Insbesondere werden wir Jesus und Gott, den Vater sehen. Ich bin schon sehr gespannt auf diesen Augenblick. Wie wird das sein, IHN, die Liebe selber, anzuschauen, ganz in Seine Gegenwart zu treten? Überwältigend wird es werden. Nicht auszumalen. Wir werden uns selber erkennen, wie und wer wir in Wahrheit sind – geliebt, gewollt, unendlich wert geachtet. Noch dazu in den Augen von Jesus, der die Wahrheit selber ist. Wir werden die andere Seite der Ewigkeit in Augenschein nehmen, wenn der Bräutigam (Jesus) kommt, um mit seiner Braut (Gemeinde, allen Menschen , die an Jesus glauben) die Hochzeit zu feiern.

Zugleich ist die christliche Botschaft alles andere als eine Vertröstung auf das Jenseits. Die Ewigkeit hat mit dem Kommen von Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Gottessohn, schon begonnen. Für alle, die ihm von Herzen vertrauen, ist die neue Welt von Gott schon angebrochen, wenn auch erst bruchstückhaft. Aber sie ist gegenwärtig. Sie ist nicht nur etwas, was nur in der Zukunft liegt. Schon jetzt können wir durch Jesus zu Gott kommen und ihn Abba, Vater, Papa nennen. In seinen Armen dürfen wir bereits jetzt Geborgenheit und Liebe erfahren. Schon jetzt, mitten in unseren Problemen, Seinen Trost und Seine Hilfe erleben.

Wir leben zwischen dem ersten und zweiten Advent von Jesus Christus. Er ist durch seinen Geist schon jetzt real unter uns und lebt in den Herzen der Jesus-Menschen. Die Bibel ermutigt uns, schon heute vom Blick auf das Morgen zu leben. Vergessen wir das nicht! Das beflügelt unsere Hoffnung und gibt uns Kraft für heute, auch wenn die Wüste gerade nicht blüht. Wenn wir lernen, heute vom morgen zu leben, werden wir die Zeit des Wartens und Vorbereitens in Gottes Sinn füllen und leben, indem wir Gott von ganzem Herzen lieben und unseren Nächsten wie uns selbst. Damit machen wir uns als Braut für unseren Bräutigam schön.

Advent heißt: Jesus, wir können es kaum erwarten bis du kommst!

Komm, Herr Jesus, komme bald. Maranatha!

Günther Buchetmann
Pastor