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Erleben, wo sie leben- ein Besuch unserer Partnergemeinde in Khirbit kanafar/West Bekaa, Libanon
27.04.2011 bis 02.05.11

Als wir uns vor ca. drei Jahren für eine konkrete Partnergemeinde im Libanon entschieden, hatte keiner von uns in der Würzburger Gemeinde eine Ahnung wie diese Partnerschaft aussehen und gelebt werden sollte. Vielleicht war es am Anfang erst mal nur das Verständnis für das Anliegen und eine auch für uns selbst etwas überraschende Bereitschaft als bayerische EFG einen konkreten Kontakt zu einer kleinen libanesischen Gemeinde in der Bekaa-Ebene zu knüpfen. Keiner wusste so richtig, wo dieser Ort mit den unterschiedlichen Schreibweisen (Kherbe, Khirbit kanafar…) eigentlich liegt.
Die während des Besuches unserer libanesischen Geschwister im April 2010 immer wieder ausgesprochene Gegeneinladung nach Khirbit zu kommen und dort die Gemeinde besser kennen zu lernen, führte dann dazu, dass sich eine kleine Delegation von 3 Geschwistern vom 27.04,-02.05.11, trotz mancher beunruhigender politischer Nachrichten aus Syrien und dem Libanon, nach Khirbit kanafar aufmachte.

Besuch in Khirbit kanafar April 2011

Flug LH 1306 nach Beyrouth, Ankunft 14.30 Uhr- nach fast genau einem Jahr gab es ein Wiedersehen mit den Geschwistern aus Khirbit, die wir im Jahr zuvor am Flughafen Frankfurt abgeholt hatten. Sofort lernten wir auch weitere Brüder kennen, von denen gleich 2 deutsch sprachen.
Gemeinsam fuhren wir nach Khirbit, das auf ca. 1000 m Höhe in der Bekaa-Ebene liegt und ein wenig wie ein Ferienort in den Bergen wirkt.
Dort wurden wir abends sehr herzlich von der Gemeinde empfangen und trafen das Pastorenehepaar Michel und Laure Salloum wieder, die auch bei uns in Würzburg zu Gast gewesen waren.
Die kommenden 5 Tage waren in jeder Hinsicht sehr intensiv. Selten zuvor habe ich eine zwischenmenschlich, geistlich, aber auch touristisch so angefüllte und berührende Reise erlebt.
2 Tage lang wurden wir mit einem Van und begleitet von verschiedenen Geschwistern und Mitarbeitern des partnership committes Khirbit durch den Libanon gefahren, um einen Eindruck von den schönen Seiten des Landes zu bekommen.
Zedern-National- Reservat Baroukh, Beit Eddine Palast, Jeitta grotto, historische Altstadt Byblos und manches mehr. Dabei fuhren wir zum Teil stundenlang durch verschiedene Landesteile. Die Menge an baufälligen oder leerstehenden Häusern, der oft schlechte Zustand der Straßen, aber auch der Eindruck der luxuriös anmutenden Beiruter Innenstadt führten während der Autofahrt zu Fragen über Politik, Land, Kirchen und religiöse Gruppen, Probleme und den letzten Krieg 2006. Auch darüber lernten wie unsere Gastgeber etwas besser kennen.

50% Essen?

„Ihr seid jetzt im Libanon! 50% eurer Zeit hier wird aus essen bestehen.“
Das war keine Übertreibung. Wir hatten viele tolle Gelegenheiten auf unterschiedliche Weise das in der Tat sehr gute und besonders vielseitige Essen im Libanon zu probieren.
Mein Eindruck: Die Libanesen haben eine sehr bekömmliche, oft sehr vegetarische Küche mit hoher Qualität der Lebensmittel und ansprechender Dekoration. Es macht Freude gemeinsam am Tisch vor vielen Tellern mit „Mezze“ (Vorspeisen) zu sitzen und einfach Zeit zu verbringen.

Erleben wie sie leben

Aber Sightseeing und Essen waren trotzdem nicht die Hauptsache während unseres Besuches.
Beim Frühstück hießen uns verschiedene Gemeindefamilien in ihren Häusern willkommen. Direkte Gemeinschaft, reden, sich kennen lernen, zusammen beten- das war charakteristisch für die Zeit in Khirbit.
Wer gehört zu wem? Wer macht welche Dienste in der Gemeinde?
Auch wenn unsere Partnergemeinde nur ca. 40 Mitglieder hat, ganz durchgeblickt haben wir bis zum Schluss noch nicht, aber nun wissen wir wie sie leben, aussehen, singen und beten- unsere Geschwister in Khirbit kanafar.


Mitarbeit am Evangelium?

Kann man als bayerische EFG und libanesische Kleingemeinde zusammen im Reich Gottes arbeiten?
Wir waren beeindruckt, dass unsere Partnergemeinde in den letzten 2 Jahren eine stabile missionarische Kinderarbeit in einem kleinen Nachbarort aufgebaut hat und Jesus dort am Wirken ist. Ein Geschäftsmann hat zwei gute Räume in Aana, einem kleinen formal christlichen Dorf zur Verfügung gestellt. Diese Räume wurden von der Gemeinde sehr gut hergerichtet. Wir freuten uns darüber, dass hierfür auch Würzburger Spenden dienen durften.
Zwischen 10-50 Kinder hören dort jeden Samstag biblische Geschichten, singen und basteln zusammen. Das stellt für diese Kinder eine willkommene Abwechslung dar, da ansonsten nicht viele Freizeitmöglichkeiten für Kinder vorhanden sind.
Wir bereiteten einen solchen Kindernachmittag mit Liedern, evangelistischen Kurzbotschaften und Bastelarbeit vor und erlebten, wie wir zusammen mit unseren libanesischen Geschwistern 25 Kindern von Jesus weitersagen durften. Eine tolle Erfahrung!
Das macht Mut für größere Projekte, fanden alle Beteiligten.
Deshalb trafen wir uns nach dem gemeinsamen Gottesdienst am Sonntagnachmittag zu einer Besprechung mit dem partnership committee, dem Pastor Michel Salloum und Nabil Costa, dem Direktor der LSESD (Lebanese Society for Educational and Social Development)
Der Plan für ein gemeinsam veranstaltetes 3-tägiges Kinder-Camp nahm sehr konkrete Formen an.
8 Geschwister aus Würzburg werden, so der Herr will, im August nach Khirbit reisen, um zusammen mit den Mitarbeitern dort für ca. 30 Kinder ein Feriencamp zu veranstalten.
Mit ihnen wird unserer OAC-Missionar Heinrich Fast fliegen, der auch Schulungen für missionarische Kinderarbeit abhalten wird.

Finanzielle Partnerschaft

Die bisher von uns an die Partnergemeinde überwiesenen Gelder sind dort sehr gut und verantwortungsvoll zum Nutzen der Kinderarbeit und der gesamten Gemeinde eingesetzt worden. Das hat uns gefreut.
Das Gemeindehaus wurde weiter gebaut, die Pastorenwohnung am Gemeindehaus fertig gestellt.

Unterschiedliche Prägungen

Was, wenn Partnergemeinden Unterschiede im Frömmigkeitsstil und in biblischer Erkenntnis haben?
Unsere Partnergemeinde ist anders. Wir auch.
Wir haben manche traditionell erscheinende Praxis im Gemeindeleben oder in der Lehre wahrgenommen.
Aber die Liebe, die Gott uns füreinander geschenkt hat, hat uns in Christus verbunden. Ohne dass man es immer gleich merkt, lernt man voneinander wichtige Dinge, wenn man sich persönlich begegnet, sich austauschen kann und merkt, der oder die andere liebt Jesus von Herzen und gibt sich im Dienst an ihn hin.
So mussten die lieben Geschwister dort ertragen, dass ein deutscher Bruder auch ohne Krawatte im Gottesdienst predigt. Originell, dass ich dann als Abschiedsgeschenk eine Krawatte bekam!

Sicherheit im Libanon

Vor der Reise gab es schon viele Überlegungen, ob man gerade jetzt in den Libanon reisen sollte (immer noch keine gewählte Regierung, Unruhen und Gewalt in Syrien, Entführung einer estnischen Touristengruppe im März).
Während wir dort waren wurden die Grenzen zu Syrien und die für den Handel wichtigen Transitrouten geschlossen.
Dennoch haben wir uns in der Obhut unserer Geschwister zu jeder Zeit sicher gefühlt und keine negativen Erfahrungen gemacht. Als Individualreisende sieht es möglicherweise anders aus.
Auch nach der Tötung von Osama bin Laden hört man nicht von Gewalt gegen Ausländer im Libanon. Wir waren gerade sicher in Ffm gelandet, als in den Nachrichten die Meldung vom Tod des Terroristenführers kam.

Wir erleben immer wieder Gottes Wirken im Prozess unserer Partnerschaft mit unseren libanesischen Geschwistern. In der Andacht am Mittwochabend bei unserer Ankunft in Khirbit betonte Pastor M. Salloum: Es gibt keine Kraft, die Menschen verschiedenster Prägung und Charaktere so zusammenbringt und einmal sogar vor den Thron Gottes stellen kann, wie die Kraft des Blutes Jesu, das uns vereint, in Seiner Liebe.

IHM sei Dank.

G. Winkler


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