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Jahreslosung 1930 - 2010

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„Da habe ich Gnade vor Recht ergehen lassen“. Das ist ein üblicher Ausdruck dafür, wenn wir unsere Kinder trotz Verbot lediglich ermahnen und nicht bestrafen. Das sagen wir vielleicht über einen Menschen der aus Unachtsamkeit unser Auto angefahren hat und wir keine Stafanzeige stellen.


Gnade bedeutet: etwas, was erfreut oder freudig überrascht. Gnade ist Geschenk. Total umsonst. So umsonst, dass es gar nicht möglich ist, es zu kaufen. Gnade ist was ganz Großes, schier Unbegreifliches. Wer Gnade kennen lernt, der kann nur staunen. Wenn sich dieses Staunen auf Gott richtet, dann ist das Anbetung.
Das Neue Testament versteht unter der Gnade Gottes immer das unmittelbare Eingreifen von Gott. Er hilft. Er gibt. Frei. Eben aus Gnade. Gottes Gnade ist nur mit Seiner Liebe zu begründen. Und die Liebe Gottes, die alles menschliche Lieben bei weitem übersteigt, ist nur damit begründbar, dass Gott Liebe IST. Und das wiederum ist die vielleicht tiefste Aussage, die man über Gott überhaupt machen kann.
Gnade kann man allein mit dem Verstand nicht begreifen. Wer Gnade erfahren hat, der weiß, wie sie ist. Der weiß: Ich bin jeden Tag davon abhängig.
Einer der bedeutendsten Kirchenväter, Augustinus (354-430), hat in Seiner Gnadenlehre das, was er selbst erlebt hat, dogmatisch reflektiert. Und er kam zu dem Ergebnis, dass es einzig und allein an der Gnade Gottes liegt, wenn wir zum Glauben kommen, d.h. wir erkennen, dass wir nur in Jesus Christus von unserer Lebenschuld befreit werden können. Augustinus sagte weiter: Genauso es ist einzig und ausschliesslich die Gnade Gottes, wenn wir beim Glauben bleiben. Kein Mensch hat von sich aus die Kraft, beim Herrn, bei Jesus, zu bleiben. Ich sage es mal so: Ohne die Gnade könnten wir nicht in der Gnade bleiben. Darin ist Augustinus unbedingt zuzustimmen.
Jeder Christ erlebt Zweifel, Glaubenszweifel. Das ist sehr normal. Jeder Christ fragt sich irgendwann, ob er auf dem richtigen Weg ist. Das ist völlig in Ordnung. Jeder Christ wird vom Teufel versucht. Auch das ist normal. Manchmal müssen wir auch durch schwierige Glaubensprüfungen gehen. Dazu sagt der Jakobus-Brief, dass wir uns darüber freuen sollen, weil das unseren Glauben stärker und widerstandsfähiger macht. Und das ist sehr notwendig.
Das wir allein durch die Gnade beim Glauben an Jesus Christus bleiben, bestätigt Gottes „ewige Gnadenwahl“. So dürfen wir beruhigt in der Gnade leben und auch in ihr ruhen. Sie umgibt uns wie ein warmer Mantel, wie ein schützender Raum (vgl. Röm. 5,2).
Du darfst die Gottes Gnade „geniessen“, wenn Du jemand bist, „den die Gnade fand“. Und andererseits darfst Du tiefer in das „Geheimnis Gnade“ eindringen. Darf man Gott „geniessen“? Richtig verstanden, selbstverständlich. Die Nähe, die Güte, die Herrlichkeit Gottes, Seine Liebe die Er umsonst verschenkt. Das alles ist genau dafür da. Zum Geniessen. Das ehrt Gott, wenn wir uns Seine Liebe, Seine Gnade gefallen lassen. Wenn unser Reflex, Gottes Gnade bezahlen zu wollen, endlich erlischt. Wenn wir verstanden haben, dass Er uns wohltun will, weil Er uns doch so unbegreiflich und unbeschreiblich liebt.

Je tiefer wir in das Geheimnis der Gnade Gottes eintauchen, umso kostbarer wird sie uns. Umso vorsichtiger wollen wir damit umgehen. Umso dankbarer und demütiger werden wir. Wir merken: ALLES menschliche Rühmen ist fehl am Platz. Je tiefer unser Herz über der Gnade Gottes gebrochen ist, umso weniger sind wir gefährdet, die kostbare Gnade als „billige Gnade“ (Bonhoeffer) zu missbrauchen.
Die Gnade Gottes ist was zutiefst Heiliges. Und doch sollen wir uns nicht aus sicherer Entfernung damit beschäftigen. Das wäre wirklich sehr schade. Eine grosse Chance zum „Nahekommen“ bietet uns auch in diesem Jahr wieder das Weihnachtsfest. Im Kind in der Krippe ist allen Menschen „grosse Freude … widerfahren; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“ (Lk. 2,10.11)

Eine gnadenvolle Advents- und Weihnachtszeit!


Günther Buchetmann

Gemeindereferent