Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Freunde der Gemeinde.
Erntedank ist ein schönes Fest. Ein Fest, bei dem schon an der Dekoration des Gemeindesaales sichtbar und greifbar ist, worum es bei diesem Fest geht.
An Ostern, Weihnachten und Pfingsten ist das, worum es geht, nicht so einfach auf den Tisch zu legen. An Erntedank liegen auf dem sogenannten Gabentisch Brot und Weintrauben und alle möglichen verschiedenfarbigen Früchte und Obst und und... An Erntedank steht, wie der Name schon sagt, der Dank im Mittelpunkt des Tages und des Gottesdienstes. Dank für die Ernte. Dank an Gott, dass wir ein Jahr lang satt geworden sind. Dieses Fest bewusst zu begehen wird umso wichtiger, je mehr wir uns zu einer städtischen Bevölkerung entwickeln. Den Dank an Gott für eine gute Ernte, für das tägliche Brot, wenigstens an einem Tag des Jahres in den Mittelpunkt zu rücken ist eine gute Übung. Als Gemeinde, als Gottesdienstgemeinschaft dem Schöpfer gemeinsam DANKE zu sagen ist wichtig und wertvoll. Ich feiere Erntedank gerne. Aber was würde ich machen, wenn ich nicht an einem klimatisch, wirtschaftlich und politisch enorm begünstigten Fleckchen dieser Erde wohnen würde? Ich frage mich, wie feiert man Erntedank in Dürregebieten, in Gegenden, wo Hitze oder Überschwemmungen die gesamte Ernte vernichtet haben und das wirklich existentielle Folgen hat? Ist denn diese Aussage aus dem Psalmbuch eine realistische Erwartung: „Aller Augen warten auf dich, HERR, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“?
Ich glaube, dass es letztendlich unser lieber Vater im Himmel ist, der uns versorgt. Ich glaube nicht, dass er diejenigen, die in diesem Jahr keine Missernte hatten, mehr liebt als die Menschen in Pakistan oder Russland. Ich sehe aber auch, dass wir weitgehend verlernt haben, unsere Augen wartend auf den Herrn zu richten und das Leben in Abhängigkeit von ihm und in seinen Ordnungen zu leben.
Naturkatastrophen werden analysiert und metereologisch erklärt. Dass viele negative, klimatische Entwicklungen den menschlichen Eingriffen in die Weltordnung zu verdanken sind, wird oftmals mit einem Achselzucken hingenommen. Was will man denn auch als „kleines Rädchen“ schon bewirken, wenn es schon „die Großen“ nicht vermögen? Klimakonferenzen werden veranstaltet und bedrohliche Endzeitszenarien gemalt. Wirkliche Vereinbarungen, die spürbar den Emmissionsausstoss verringern würden, werden gerne auf die Zukunft vertagt. Keiner will freiwillig auf wirtschaftlichen Fortschritt und Bequemlichkeit, z.B. das eigene Auto, verzichten.
Gott hat den Menschen die „Verwaltung“ über die Schöpfung anvertraut (1.Mo 1,26-28). Das haben wir aber nicht besonders ernst genommen. Besonders auch als Christen sollten wir neu darüber nachdenken, wie wir denn den Auftrag unseres Schöpfers, die Erde zu bebauen und zu bewahren, in die Tat umsetzen können. Ich glaube, jeder kann mindestens 2 Beiträge leisten:
1. Nicht auf die anderen warten, sondern heute mit Veränderungen im eigenen Verhalten anfangen
2. Für ein neues Bewusstsein bei uns Menschen beten, dass es Gottes gute Schöpfung ist, die Er uns anvertraut hat und für die wir gemeinsam verantwortlich sind.
Mag sein, dass es nicht die Aufgabe aller ist, aber einzelne Christen sollten, wo es möglich ist, in Gremien mitarbeiten, die umweltpolitische Themen aufgreifen.
Ein Glaube, der sich nicht um den Bezug zur Welt kümmert, ruft eine Welt hervor, die sich um den Glauben nicht kümmert. Heinrich Fries
Gottes guter Segen sei mit uns
Günther Buchetmann
Pastor



