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Jahreslosung 1930 - 2010

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Liebe Geschwister, liebe Freunde der Gemeinde

Freuen – einfach so?
Wenn uns jemand sagt: „Jetzt freue dich mal!“, dann finden wir das erst mal etwas komisch, anmaßend oder sogar überheblich. Ich hoffe, dass wir bei diesem Wort aus dem Philipperbrief, „Freut euch in dem Herrn!“, nicht gleich dicht machen und denken: „Ja, ja, das kenne ich schon. Das ist mir schon oft genug gesagt worden. Ich weiß, dass Paulus sogar im Gefängnis saß und sich freute -und dann müsste ich doch auch fähig sein, mich zu freuen.“
Oder vielleicht denkst du: „Bei mir gibt es gerade eben nichts zu freuen und ich will mich auch nicht dazu drängen lassen. Ich will mir Freude nicht aufsetzen wie einen Sonnenhut. Wenn es echt ist, dann freue ich mich schon wieder – aber jetzt gerade nicht.“
Kann ja sein, dass du gerade in einer Lebenssituation bist, in der es noch nicht einmal angebracht ist, oder einfach schwer ist, sich zu freuen. Wenn du z.B. einen Angehörigen durch Tod verloren hast oder der sehnlich erwünschte Ausbildungsplatz oder Partner immer noch auf sich warten lässt.
Ich glaube nicht, dass Paulus meint, wir sollten diese Dinge einfach unter den Teppich kehren, so tun, als würde es sie nicht geben.
Ich mag Paulus besonders auch deswegen, weil er nicht nur ein grossartiger Theologe ist, sondern auch deswegen, weil er so herrlich einseitig sein kann. Paulus ist aber bestimmt Realist genug, um zu wissen, dass das Leben nicht nur spaßige Seiten hat und wir ständig im Lachkrampf leben. Er kennt die menschliche Natur und Psyche gut genug, um zu wissen, dass es notwendig ist, sich immer wieder für das Gute und Positive zu entscheiden. Wie schnell können wir im Selbstmitleid zerfliessen.
Wir müssen uns selbst immer wieder zu den guten und wichtigen Dingen anspornen, z.B. dazu, unseren Gott zu loben. Auch darin sind wir wohl ziemlich vergesslich. Warum sonst bräuchten wir eine Selbstaufforderung wie diese: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Ps. 103,2) oder viele andere Mahnungen, Erinnerungen, Aufrufe zum Danken, zum Beten, zum Loben, zum Trösten, zum Ehrlichsein und zum Freuen.

Mit dem ewigen Leben verbunden
Entsprechen nicht gerade diese vielen „du musst/du sollst/ ich ermahne euch“ genau dem negativen Klischee über das Christentum, dass man immer was tun muss?
Ich glaube, dass diese Aufforderungen diesem Klischee nicht ent-sprechen sondern sogar wider-sprechen. Christen sind nicht Menschen, die unter dem Joch des Lebens stöhnen und dann obendrein noch christliche Pflichten zu erfüllen haben. Sondern Christen sind Menschen, die durch den Hlg. Geist mit dem ewigen Leben von Jesus Christus verbunden sind. Und aus dieser Verbindung kommt die Kraft für die Aufgaben des Alltags, aber auch für das christliche Engagement.
Nun ist es aber eine Tatsache, dass durch unterschiedlichste Umstände -Zeitnot, Mit-allem-möglichen-beschäftigt-sein, Gedankenlosigkeit, Sorgen, Bequemlichkeit, mangelndes geistliches Leben- erstaunlich schnell in Vergessenheit gerät, was uns alles SCHON gegeben und geschenkt ist und wo die Quelle der Kraft liegt.
Und sich daran zu erinnern, diese Kraftquelle anzuzapfen, das wollen die Aufforderungen erreichen!
Ja, wir können unter dem Level leben, der mit Gott möglich ist. Sogar WEIT darunter leben. Darum ist es notwendig, dass uns Gott durch sein Wort und seinen Geist und wir uns gegenseitig und selber immer wieder ermutigen und ermuntern, uns erinnern, was uns SCHON geschenkt ist - manches freilich ist auch erst für die Zukunft (auf Hoffnung hin) verheissen.

Die Umstände sind´s nicht
Tatsächlich sind die Umstände, in denen wir leben, für die Gestaltung unseres geistlichen Lebens überhaupt nicht so entscheidend, wie wir das gerne glauben möchten. Du kannst in grossem Leid und tiefer Not und wenig Wohlstand sehr wohl mit Christus auf wunderbare Weise verbunden sein und mit tiefen geistlichen Segnungen beschenkt sein. Und du kannst, wie das in unserer Wohlstandsgesellschaft wohl häufiger der Fall ist, in einer grossen, inneren Trockenheit und geistlichen Wüste leben, obwohl rein äusserlich alles stimmt.
Weil Paulus allem voran ein geistlicher Mann ist, fordert er seine Mitchristen und uns auch nicht zu einer Spaßmentalität und oberflächlichen Lebensfreude auf, sondern zu einer „anderen“ Freude.

„Freut euch in dem Herrn!“
„... in dem Herrn!“, das ist eine komplett andere Ebene wie „Freue dich endlich über dein Geburtstagsgeschenk von Tante Erna, das gehört sich doch, Kind.“
Die Freude am Herrn können wir tatsächlich „auslösen“. Nein, diese Aussage ist nicht gewagt. Das kannst du jederzeit ausprobieren.
Nimm dir etwas Zeit und denke einfach NUR darüber nach, was dir „in Christus“ alles geschenkt ist. Öffne dein Herz für die folgenden Heils-TATSACHEN:

Wenn du Jesus Christus im Glauben angenommen hast, bist du reich beschenkt. Merkst du es?
Das „löst“ diese besondere Freude aus. Die Freude „in dem Herrn!“

Günther Buchetmann

Pastor