Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht
alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen. 1. Kor 10,23-24
Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Freunde der Gemeinde.
Die Freiheit des Evangeliums – das ist kurz gefasst- der Duft, den Gott uns durch die Offenbarung seines Sohnes, Jesus Christus, schenkt. Paulus wurde wegen dieser Sicht heftig attackiert. Die Juden warfen ihm Antinomismus vor, d.h. sie sagten, er wolle das Gesetz Gottes, die Tora, abschaffen und das Judentum mitsamt der Beschneidung in den Dreck ziehen. Aber Paulus bleibt dabei: Gerecht vor Gott, sagt er, kann kein Mensch durch eigene Leistungen werden und damit meint er insbesondere durch das Halten des alttestamentlichen Gesetzes. Gerecht, angenommen bei Gott, kann nur werden, wer an Jesus Christus glaubt und ihn Herr in seinem Leben sein lässt.
Und das Gesetz, so wird zurück gefragt? Hat diese Heilsgabe keine Bedeutung mehr? Paulus sagt, das Gesetz ist gut in jeder Hinsicht, aber es ist kein taugliches Mittel, um die Menschen vor Gott angenehm zu machen, da alle, ausnahmslos alle, gegen das Gesetz und damit gegen Gott gesündigt haben. Die einen haben es mit, die anderen ohne Gesetz getan. Und so stehen Juden und Heiden für den Völkerapostel auf einer Ebene. Keiner hat einen Vorteil. Jeder ist durch Gottes Gesetz selbst verurteilt.
Und dieses Urteil kann nur Gott aufheben. Und das hat er in Jesus Christus getan, der „für uns“ sein Leben stellvertretend hingegeben und unsere Schuld gesühnt und damit
unsere Beziehungslosigkeit zu Gott geheilt hat. Das kann niemand selber bewirken. Es ist alleine die Gnade, das Umsonst-Geschenk des ewigen Vaters, das er in Jesus Christus anbietet. Und jeder Mensch, der dazu JA sagt, der sein bisheriges Leben bereut und zu Gott, den Vater, umkehrt, wird gerecht gesprochen und damit als Kind, als königlicher Adoptivsohn bzw. -tochter von Gott angenommen.
Gnade führt in die Freiheit. In die Freiheit vom Gesetz, aber damit keineswegs in die Gesetzlosigkeit. Auf gar keinen Fall. Das Gesetz, die Weisung Gottes, hat immer noch seine Gültigkeit. Es zeigt uns die Absicht, die Gott mit uns und seiner ganzen Schöpfung hat. Es zeigt uns, wie wir unser Leben so gestalten können, dass es gelingt und vor Gott richtig ist. Aber das Halten der Vorschriften bewirkt nicht unser Heil, unsere Rettung. Es bleibt dabei: Gnade allein genügt. Sola gratia.
Aber warum sollen wir uns an die Weisungen der Zehn Gebote, warum an die ethischen Vorgaben des NT halten, wenn sowieso alles Gnade ist? Das Ziel des Christseins ist, dass wir immer mehr wie Jesus werden, dass wir mehr und mehr in das Wesen von Jesus verwandelt werden. Die Rechtfertigung ist die eine Seite der Medaille, die andere dieser Umwandlungsprozess, auch Heiligung genannt. Beide gehören zusammen, sind nicht von einander zu trennen. Und: Gnade ist nicht nur in der Rechtfertigung nötig, sondern ebenso in der Heiligung. Jeden Tag sind wir darauf angewiesen.
Sobald wir vor Gott gerechtfertigt sind, betreten wir einen neuen, einen wirklich genialen Raum. Den Raum der Gnade. Dort herrscht ein Raumklima, das für unser geistliches Wachstum in höchstem Maße förderlich ist: Wir atmen die Liebe des Vaters und die Gnade von Jesus Christus und die Freiheit des HlgGeistes.
Dennoch ist das kein Raum der Beliebigkeit, aber bestimmt auch kein Raum der Gesetzlichkeit.
Nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.
Unter diesen guten Bedingungen entwickelt sich das echte christliche Leben ideal: Ein Kind Gottes muss nicht -aber es will unter allen Umständen- seinen guten Abba-Vater zurück lieben und es ist traurig, wenn es nicht so lebt, wie es dieser gnädige und barmherzige Gott in seinem Liebesbrief, in der Bibel uns zeigt.
Der Mensch, der sich von Gott geliebt weiß, will nach Gottes Maßstäben leben – das Gesetz ist gut in jeder Hinsicht. Aber dieser Mensch des Glaubens weiß auch, dass ihn nichts in die Liebe des Vaters bringen kann, als nur einzig und allein die Gnade, die in Jesus Christus sichtbar und lebendig geworden ist.
So ist der Christ nicht bestrebt, möglichst viele Freiheiten aus zu kosten, sondern im Einklang und in tiefer Beziehung mit seinem Herrn zu leben. Er weiß aus dem Wort Gottes und durch das Reden des guten Hirten, was gutes Futter, was förderlich ist.
Und so geht er nicht zur Müllkippe -obwohl er auch dazu frei wäre-. Er weiß: Nicht alles, was lockt, wo Spaß drauf steht, ist förderlich. Nicht alles bekommt mir. Vielleicht würde es mir noch nicht einmal wirklich schaden, aber ich habe auch Verantwortung für den anderen, der mir das vielleicht nachmacht und dann geschädigt wird.
Als Christ bist du frei davon, nur an dich zu denken. Du fragst gerne, was auch dem anderen dient, denn du liebst ihn, weil du im Raum der Gnade lebst. Darum buchstabiert sich christliche Freiheit auch so: V-E-R-Z-I-CH-T. Verzicht um meiner selbst und um des anderen willen. Ein Verzicht, der Freude bereitet, weil er aus der Liebe Gottes, aus der Gnade des gnädigen Gottes geboren ist.
Günther Buchetmann
Pastor
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