Liebe Freunde, liebe Gemeinde!
So häufig wie in den letzten Monaten habe ich noch nie das Wort STILLE gehört oder gelesen. Das hat damit zu tun, dass wir gerade im sogenannten Jahr der Stille leben, das von verschiedenen christlichen Werken und Gemeinden ins Leben gerufen wurde.
Natürlich haben das auch einige Liedermacher und Autoren aufgegriffen, sodass man auf dem Bücher- und CD-Markt einiges dazu finden kann. Als Gemeinde beteiligen wir uns durch einen Stille-Gottesdienst und eine Anleitung zum: „Gebet der Stille“
Unbestritten leben wir in einer lauten, in einer hektischen Welt. Die Sehnsucht nach Ruhe und Stille kennen wir nur zu gut. Oft bleibt es aber bei der Sehnsucht. Wir sind davon überzeugt, dass Stille das Glaubensleben stärken könnte und dass Stille die Voraussetzung dafür ist, die Stimme Gottes zu hören. Ausserdem würde Stille uns bei der Entschleunigung des Lebenstempos helfen und unserer Seele einfach gut tun. Davon sind viele überzeugt. So heisst es auch im Konzeptheft zum Jahr der Stille treffend:
„STILLE IST ETWAS GUTES. Aber wir kommen so selten dazu. ARBEIT UND STILLE GEHÖREN ZUSAMMEN. Aber oft regieren nur Stress und Hektik. EIGENTLICH SIND WIR DAFÜR. Aber insgeheim laufen wir davor weg.“
In der Bibel findet man jede Menge Aufforderungen, stille zu sein. Stille vor Gott zu sein. An manchen Stellen geht es darum, stille zu sein und auf Gott zu hoffen, Gott „arbeiten“ zu lassen.
Stille ist mehr, als das Radio auszumachen. Aber sie fängt damit an. Stille meint von aussen und innen still zu werden.
Ich kann mich erinnern, dass ich als Jugendlicher bewusst Plätze in der Natur gesucht habe, „wo man nichts hört.“ Durch den allgegenwärtigen Strassen- und Fluglärm ist das selbst auf dem Land nicht einfach, solche besonderen Plätze zu finden. Aber es gibt sie.
Wenn Stille etwas Alltägliches werden soll, dann ist es gut, solche Stille-Plätze in unseren Wohnungen schaffen. Ein Platz, den wir für die Begegnung mit Gott reservieren und gestalten.
Für äussere Stille zu sorgen, ist die Voraussetzung, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, auch innerlich zur Ruhe zu kommen, das Gedankenkarussell und die Selbstgespräche zu stoppen. Es ist schon erstaunlich, was einem doch alles Wichtiges einfällt, wenn es ruhig wird. Ein Notizblock kann helfen, diese „wichtigen" Dinge nicht zu vergessen und uns für die Stille frei zu machen.
Das Gebet zu Gott ist hier wirklich notwendig: „Herr, nimm alles von mir, was mich jetzt hindert, zu dir zu kommen, was mich hindert, in die Stille einzutreten." Das bewusste Loslassen von allen zerstreuenden Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen ist Teil dieses Gebetes.
Und dann kann sie kommen, die Stille. Leider funktioniert das oft nicht auf Knopfdruck. Der Schalter will sich nicht gerne umlegen lassen. Wir müssen darauf achten, dass uns das Suchen der Stille keinen Stress verursacht. Das wäre kontraproduktiv. Wenn´s nicht gleich klappt, ist das nicht schlimm. Stille braucht Übung. Am besten jeden Tag 15 Minuten dafür reservieren.
Zefanja bringt die Stille mit dem Tag des Herrn, mit Gericht, in Verbindung. Gott sagt ungefähr folgendes: Wenn ihr einmal mit eurer Geschäftigkeit auch mit der religiösen- aufhören und Stille suchen würdet, dann könntet ihr erkennen, dass die Uhr auf Fünf vor Zwölf steht. Ihr seid blind für euren Zustand. Ich werde eure Ignoranz aber nicht mehr weiter dulden. Ihr seht nicht, dass es so nicht mehr weitergeht. In der Stille könntet ihr erkennen, dass das Gericht kurz bevorsteht und es durch eure Umkehr abwenden.
Stille vor unserem himmlischen Vater will uns aus der Betriebsamkeit des Lebens herausholen. Stille vermag aber vieles mehr: Stärken, trösten und geduldig machen. In der Stille können wir unseren geistlichen Zustand erkennen. Die Stille kann aber auch unseren
Blick weg von uns, hin auf die Herrlichkeit, auf GOTT, auf den grossen Tag lenken. „Der Tag des Herrn" ist im Neuen Bund aber nicht allein ein Tag des Gerichts, sondern der Gnade und des Gerichts: „Seid stille vor Gott dem HERRN, denn des HERRN Tag ist nahe.“
Günther Buchetmann
Pastor




